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Autor: Willi der Wirt Verfasst am: Sa Okt 04, 2008 6:20 pm Titel: noel: oxymoron
oxymoron

sie hatte dunkle haare, schulterlang.
ihre augen, grün, auch braun & oft von feuerfarbender durchdringlichkeit.
sie war anmutig, nicht katzengleich, doch von fließenden bewegungen.
nur in den momenten, in denen ihre augen dem feuer glichen, stand sie stad, wendete sie den kopf der energie zu.

in diesen momenten konnte kein ohr, kein aug‘ vernehmen was sie in sich sog.
dieses wortversagende „etwas“ hatte in seiner unbeschreiblichkeit eine energie,
der sie sich nicht entziehen konnte. von der sie intensiv geflutet wurde, die sie formte.
die rational vereinbarten zeichen reichten für den ausdruck dessen nicht aus.
es war schwierig für sie. es war ein grat für sie. doch sie musste aufnehmen. sie sperrte sich nicht mehr.

früher dachte sie, es sei nichts, ein irrwisch. die feinen zwischentöne nur eine untermalung der sprache der menschen. sie hatte eben ein zyklopenauge auf der stirne, das den augen entnahm, was die worte nicht sagten & in ihren haaren stakten antennen, die unter die gesten ton legten.
die stimmigkeit lag nicht in den worten, sondern in der tändelei des körpers zu den lauten.
diese wellen - nein - diese feinstoffliche energie brachte alles in ihr in schwingung.
doch die drängende intensität der wortentflohenen „dinge“ hatte eine ausmaß, das selbst ihr zu viel wurde. auch blicke, leichte berührungen ließen sie in diesen momenten zurück
_zucken & traten dann noch unsägliche worte hinzu, musste sie den raum, diesem punkt in der zeit entflüchten.

zyklopenaugen lassen sich nicht schließen, geschweige den antennen vom empfangen hindern.
sie konnte es nicht transkribieren in den raum der ratio, es nicht darbieten & legen, was ihre schwingungen ausmachten & so war sie nicht mehr fließend, nicht mittig, von berstendem druck geschnürt. ihre augen aufgerissen, von einem dreckigen braun, flackerten.
es blieb ihr nur zu flüchten. alle geltenden, gesellschaftlichen übereinkünfte bordend verließ sie
- ohne ein weiteres wort - den ort. denn wie, wie konnte sie erklären, dass sie die augen, die sie sonst erlas, ergründete, nicht mehr ertrug.
wie konnte sie ihnen, die die energien nicht fühlten, energien die wie staub im sonnenlicht den raum durchtanzten & ihn so berstend anfüllten, dass sie nicht mehr atmen konnte, wie sollte sie ihnen erklären, für was es keine worte gab?

von kindesbeinen an hangelte sie sich zwischen den gesten entlang, versank in ihren augen & hatte eine ureigene person vor sich, deren sich im nebel windenden larven sie ausspie, bis sie sich an den rohen farbformen ergötzen konnte. sie liebte alle menschen, sagte sie als kind.
& wünschte jeder würde so blicken.
sie verband augen, düfte & gesten mit den menschen, nicht namen, doch wenn ihnen eine zahl anhaftete, so merkte sie sich diese.
& gerade weil sie als kind den brüsken larvenhaften worten zu entfliehen suchte, weil sie in den verbalitäten zu oft unterdrückung & unterdrücktes vernahm, weil zu oft aufgesetztes nivelliertes miteinander alles ausdrückte was die zeichen hergaben, war es ihr zuwider, dass sie ob ihrer flucht aufgesetzt wirkte.

sie galt als sensibel – sehr sogar – doch im gleichen atemzug tuschelte man auch über ihr brüskes, arrogantes verhalten, das anfallsweise auftrat & darin gipfelte, dass man sie tageweise nicht zu gesicht bekam.


© noel


Autor: Forenking Verfasst am: Sa Okt 04, 2008 6:20 pm Titel: Ähnliche Themen





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