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Bess Dreyer: aus meinem leib

 
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Willi der Wirt
Literat


Anmeldedatum: 27.04.2004
Beiträge: 2414

BeitragVerfasst am: Sa Okt 04, 2008 6:32 pm    Titel: Bess Dreyer: aus meinem leib Antworten mit Zitat

aus meinem leib

eine heftige austreibung
ohne pressen der säugling
ist groß als wäre er zwei jahre
mit bleichem gesicht und haar
er hat unstete augen
nichts fängt seinen blick
er stellt sich auf die beine
ein neugeborenes tier
das läuft ich bin froh
wieder allein zu sein
mit meinem körper
da kommt es zurück
drängt auf meinen schoß
nimmt sich die brust
saugt mich aus


© Bess Dreyer
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Agnes
Literat


Anmeldedatum: 20.06.2004
Beiträge: 843

BeitragVerfasst am: Sa Okt 25, 2008 5:20 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Wir gebären Kinder. Verschiedene Kinder.

Dies ist
ein bleiches
ein unstetes.
ein zu groß gewachsenes
eins, dass sich aufstellt
ein fremdes (neugeborenes tier)
ein nicht artgerechtes
ein weglaufendes
ein zurückkommendes
ein drängendes
ein nehmendes
ein aussaugendes

Jeden Augenblick gebären wir unsere Kinder. Unsere Gedanken. Unsere Gefühle.

Dieses hier geschilderte als bedrohlich empfundene Kind ist, wenn ich es in einem der guten Momente betrachte, einem Moment nach einer nicht anstrengenden Geburt.
(Hier ist die Rede von keiner langen kräftezehrenden Geburt).
Ist also möglicherweise Chance. Chance zum Lernen.
In Bequemlichkeit und ohne Not erscheint uns Lernen oft nicht notwendig.
Chance zum Wachsen.
Die Mutter dieses Kindes kann sorgsam sein. Sich und dem Kind geben. Es säugen mit der Milch die da ist. In dem Rhythmus, der der Milchbildung entspricht. In ihrem eigenen Rhythmus. Einem Rhythmus, der ja bedeutet. Ja, ich nähre dich. Ich halte dich. Und auch bedeutet: Du und ich. Zwei. Wir. Selbstaufgabe der Mutter bedeutet das Sterben des Kindes.
Ich fand gerade in dem alten Buch: Triffst du Buddha unterwegs, den Satz: Es käme mir gar zu verwegen vor, nicht soviel Rücksicht auf mich zu nehmen wie ich kann.

Fremdes Kind. Ist es tatsächlich fremd? Oder ist es die eigene Perspektive auf dieses Neugeborene. Ist das Ich sich selbst nah? Empfindet es sich selbst als eigen, als selbst? Oder könnte es sein, dass das Ich sich selbst fremd ist und das eigene, die Ausgeburt, ihm deshalb zu groß erscheint.
Un-passend.

Angst macht dieses Kind. Immer wieder beim Lesen. Angst. Vor dieser Ausgeburt.
Rosemaries Baby. Das Schlimmste. Teufelskind. Eingepflanzter Same der Hölle. Und die Gebärende wird verzehrt von dieser ungesegneten Neugeburt. Kein Mensch, ein Tier. Aber Tier? Ist Teil der Schöpfung. Auch Teil der Schöpfung. Wie Mensch, wie Pflanze. Tier ist Wesen.

Die Perspektive könnte gewechselt werden. Kreativität könnte eine Lösung finden.
Eine Amme für dieses Nicht-Eigene.
Eine andere Nahrung mit den Nährstoffen, die diesem Hungrigen gemäß ist?
Sonne, Licht, die die bleiche Hautfarbe rötet.

Was könnte es noch brauchen, dieses Wesen und die Mutter?
Einmal ganz und gar Geborgenheit. Verschmelzung von Mutter und Kind.
Ich mit dir. Wir. Und Ich mit mir und du mit dir. Berührung. Annahme. Damit es weglaufen darf und wiederkommen. Um dann willkommen geheißen zu werden? Einmal menschenmögliche Nähe, um Loslassen möglich werden zu lassen?

Eine Lösung kann gefunden werden.

Agnes
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Verfasst am: Sa Okt 25, 2008 5:20 pm    Titel: Ähnliche Themen



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